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Der Mensch ist Ebenbild Gottes, der die Liebe ist. Jeder einzelne Mensch hat deshalb eine eigene, unverletzliche Würde. Er steht vom Anfang bis zum Ende
seines irdischen Lebens unter dem Schutz Gottes. Diese Rückbindung des einzelnen Menschen an den transzendenten Gott entzieht
den Menschen aller ideologischen, wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Vereinnahmung.
Die Caritas versteht sich, biblisch begründet, als Anwalt der Armen und Schwachen in der Gesellschaft. In dieser Funktion
mischt er sich ein in die sozialpolitische Diskussion. Sie tut dies unter dem Blickwinkel einer Option für die Armen und Schwachen.
Deutschland braucht einen Paradigmenwechsel, eine neue Hinwendung zu einer solidarischen Politik. Immer wieder ist zu hören, dass für die solidarische Abdeckung sozialer Bedürfnisse eigentlich genügend Geld vorhanden sei,
dass es aber aus anderen Interessenlagen dem Sozialbereich vorenthalten werde. Der Sozialstaat nützt allen und braucht deshalb
alle. Am Umbau des Sozialstaates müssen folglich alle gesellschaftlichen Gruppen nach ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit
durch Beiträge und Steuern einbezogen werden. Starke Schultern können und müssen mehr tragen als schwache.
Nicht was Menschen kosten, darf die Sozialpolitik und die gesellschaftliche Diskussion bestimmen, sondern allein das, was
sie zu einem menschenwürdigen Leben brauchen. Es kann nicht sein, dass der Sozialstaat weiterhin vor allem zu Lasten der Arbeitslosen, Kranken und sozial Schwachen umgebaut wird. Konzepte, die dies fordern und eine Politik, die dies umsetzt, lösen die sozialen Probleme nicht nachhaltig,
sondern führen zu weiteren sozialen Verwerfungen. Sie sind auch ökonomisch fragwürdig, weil sie die Kaufkraft der Bevölkerung
schwächen. Mit Sozialabbau kann man weder den Sozialstaat sichern noch die Wirtschaft ankurbeln.
Die so genannten Reformen der letzten Jahre haben aus diesen Gründen weder die Arbeitslosigkeit abgebaut noch zu mehr wirtschaftlichem Wachstum geführt noch die soziale
Sicherung konsolidiert.
Leitende Prinzipien für eine Konsolidierung des Sozialstaats und der Gesellschaft sollen Personalität, Solidarität, Nachhaltigkeit und Subsidiarität sein. Es sind die Prinzipien der Katholischen Soziallehre. Sie fordern die Beachtung der Würde jedes einzelnen Menschen,
seine Pflicht zur zumutbaren - ich wiederhole: zumutbaren - Eigenverantwortung und seine Pflicht zur Solidarität; diese Pflichten
müssen sich an den realen finanziellen und persönlichen Ressourcen der Einzelnen und ihrer Familien ausrichten. Die Orientierung
am Gemeinwohl ist eine gemeinsame Aufgabe von allen Bürgerinnen und Bürgern, von Wirtschaft und Politik. Sie erfordert soziale
Gerechtigkeit, die die Schwachen trägt und ihnen die Möglichkeit zu einem eigenverantwortlichen Leben eröffnet.
Die organisierte Caritas hat eine dreifache Aufgabe: Sie ist Dienstleister für Menschen in Not, Anwalt für sozial Schwache und Stifter von Solidarität in der Gesellschaft. Menschen
mit Behinderungen, kranke und pflegebedürftige Menschen, benachteiligte junge Menschen und Familien, brauchen fachliche Hilfe
zur Selbsthilfe, sie brauchen Solidarität und geistlichen Beistand. Die Caritas will dazu ihren Beitrag leisten. Sie kann
auf der Basis des christlichen Glaubens auch dann noch Antworten auf Leid, Not und Tod geben, wenn keine innerweltlichen Antworten
mehr greifen.
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