Es muss alles
dafür getan werden, damit weniger junge Menschen die Schule ohne Abschluss
verlassen und somit deren berufliche Perspektiven verbessert werden. Dies
fordert der Caritasverband für die Diözese nach Bekanntgabe der Ergebnisse
einer bundesweiten Studie „Bildungschancen vor Ort“, die der Deutsche
Caritasverband zusammen mit dem Rheinisch-Westfälischen Institut für
Wirtschaftsforschung durchgeführt hat. Nach dieser Untersuchung lag die Quote
der Schulabgänger von allgemeinbildenden Schulen, die im Jahr 2009 nicht zumindest
einen Hauptschulabschluss erreichten, im Bundesdurchschnitt bei fast 7,2
Prozent, in Bayern bei knapp 6 Prozent. Die geringste Quote in Deutschland wies
der oberfränkische Landkreis Forchheim mit lediglich 2,4 Prozent auf, die höchste
die kreisfreie Stadt Wismar in Mecklenburg-Vorpommern mit 26,6 Prozent.
Auch in den
Kommunen im Gebiet des Bistums Eichstätt gab es nach der Studie Unterschiede:
In der kreisfreien Stadt Nürnberg hatten über 10,6 Prozent der Schulabgänger
keinen Hauptschulabschluss, in
Schwabach
knapp 8,4
und in Ingolstadt fast 8,3. Besser sah die Situation in den Landkreisen aus: Im
Landkreis
Weißenburg-Gunzenhausen
hatten gut 6,2
Prozent der Schülerinnen und Schüler nicht zumindest einen Hauptschulabschluss,
im Landkreis Neumarkt über 4,5 und im Landkreis Roth knapp 4,4. Am niedrigsten
lag die Quote im Landkreis Eichstätt mit 3,35 Prozent.
Verschuldung einer Kommune kann kein Argument
sein
Zentrales Ergebnis der
Studie ist nach Auskunft des Generalsekretärs des Deutschen Caritasverbandes,
Prof. Dr. Georg Cremer, „dass ungleiche Bildungschancen nicht nur vom
spezifischen Schulsystem der Länder abhängen, sondern auch die örtlichen
Gegebenheiten einen erheblichen Einfluss haben“.
In der statistischen Auswertung wurde zum
Beispiel ein Zusammenhang zwischen der Quote der Schulabgänger ohne
Hauptschulabschluss und der Arbeitslosigkeit in den Kommunen nachgewiesen:
„Hohe Arbeitslosigkeit kann, so müssen wir vermuten, auch im Bildungssystem
demotivierend wirken und hat soziale Folgen,
die sich auf die Kinder negativ auswirken“, folgert der Präsident des Deutschen
Caritasverbandes, Prälat Dr. Peter
Neher
. Ferner
zeigte die Studie, dass es mehr Jugendliche ohne Hauptschulabschluss in
Kommunen gibt, in denen anteilig mehr Schülerinnen und Schüler auf
Förderschulen gehen. Entgegen der Erwartung bei Beginn der Untersuchung hat die
Verschuldungssituation der betreffenden Städte sowie Kreise aber keine
nachweisbare Auswirkung auf die Quote der jungen Menschen ohne Schulabschluss
vor Ort. „Somit kann das Argument nicht länger gelten, dass verschuldete Kreise
weniger Möglichkeiten haben, ihren Jugendlichen zu einem Hauptschulabschluss zu
verhelfen. Auch arme Kommunen
können
durchaus eine
gute Befähigungssituation bieten“, sagt der Caritas-Präsident und fügt hinzu.
„Der politische Wille zählt! In den erfolgreichen Städten und Kreisen setzen
sich alle entscheidenden Akteure vor Ort aktiv für benachteiligte Kinder und Jugendliche
ein.“
Dies zeige etwa das
positive Beispiel des Landkreises Forchheim: Dort hat der Schulamtsdirektor vor
zehn Jahren den Verein „
ForSprung
“ gegründet, in dem
sich alle Akteure regelmäßig zusammenfinden und Maßnahmen verabreden. Neben dem
Verein gibt es regelmäßige Treffen der Schulleitungen. „Man geht persönlich auf
die einzelnen Schüler und ihre Eltern zu, fördert Schüler mit
Migrationshintergrund
durch eigene Lehrkräfte und hat die
Jugendsozialarbeit an Schulen forciert“, analysiert und würdigt der
Landes-Caritasverband Bayern die Arbeit im Landkreis Forchheim. Die örtliche
Caritas stellt dort Berater zur Verfügung, Ehrenamtliche bieten Nachhilfe, und
es wurde ein Schulmateriallager für finanziell schwächere Familien eingerichtet.