Bereits eine Stunde vor dem
Konzert warten Fans von Paddy Kelly aus ganz Bayern und sogar darüber hinaus in
einer langen Schlange vor der Ingolstädter St. Piuskirche. Rund 600 überwiegend
junge Besucherinnen und Besucher füllen diese kurze Zeit später voll aus. Alle
haben allein mit ihrem Kommen bereits etwas im Sinne der Nächstenliebe getan.
Denn sie tragen dazu bei, dass hungernden Menschen geholfen werden kann: Zehn
Euro von jeder Eintrittskarte kommen Projekten des Hilfswerkes der deutschen
Caritas „Caritas international“ in Äthiopien zugute. Dort hatte Kelly im März
dieses Jahres Initiativen von Caritas international im Kampf gegen den Hunger
besucht. Um die Liebe geht es dem irisch-US-amerikanischen Sänger Paddy Kelly,
einstiges Mitgliedes der bekannten Pop- und Folkband „The Kelly Family“, auch
grundsätzlich in seinem vom Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken
unterstützten liturgischen Konzert, den er als einen Abend der „Agape“
(griechisch Liebe) gestaltet.
Bei seinem Eröffnungslied
„Voice Divine“ sitzen die Zuhörerinnen und Zuhörer noch still und andächtig in
den Kirchenbänken – gespannt darauf, was sie an diesem Abend wohl erwartet. Ab
seinem zweiten vielen bekannten Lied „Pray Pray Pray“ steht der Großteil der
Fans, meist die Hände über dem Kopf zusammenklatschend. Nicht nur in seinen Liedern,
sondern auch in Kurzinterviews mit Konzertbesuchern sowie eigenen Kommentaren
während des Programms bringt Paddy Kelly dem Publikum verschiedene Facetten der
Liebe näher. Auf manchen wirken diese anfangs in ihren Bedeutungen vielleicht
inhaltlich teilweise als ein zwar amüsanter, aber verwirrender Schnelldurchgang
durch das Thema: von der simplen Partytime über Verständnis, Hingabe, Treue, „Zukunft
miteinander gestalten“ bis zur Liebe zu Jesus Christus. Doch zunächst lassen
sich ohnehin alle von Paddy Kellys Stimme und den musikalischen Einlagen seiner
Band mit Musikern aus verschiedenen Ländern begeistern. Spätestens mit den drei
Abschlussliedern des offiziellen Konzertes „I am the Light of the World“,
„Agape“ und „Abba! Father!“, zu denen Kerzenlichter hundertfach in der
Piuskirche entbrennen, gelingt es Kelly aber, religiösen Tiefgang zu ermöglichen.
Viele Konzertbesucherinnen
und –besucher bleiben deshalb auch noch zur anschließend von dem früher einmal
im Kloster lebenden Sänger angebotenen Gebetsnacht. In dieser wandert zuerst
ein von ehemaligen litauischen Straßenkindern hergestelltes großes Kreuz über
die Hände der Betenden durch die gesamte Piuskirche. Später werden einige auf
das Kreuz ihre Sorgen und Anliegen schreiben. Der Pfarrer von St. Pius, Martin
Geistbeck, trägt eine Monstranz mit dem von den katholischen Christen veehrten
Leib Christi zum Altar. Viele bringen sodann ihre Kerze dorthin, während Kelly
immer wieder „O Adoramus Te Domine“ anstimmt – und viele Gläubige daraufhin
einstimmen. Geistbeck steht auf Wunsch für Beichtgespräche zur Verfügung, ein
Ehepaar für Menschen, die sich anders aussprechen wollen. Mit dem nochmaligen
Singen des Liedes „Agape“ schließt Paddy Kelly den liturgischen Konzertabend
ab. Er wird vielen ein persönliches Erlebnis der Gottes- und Nächstenliebe
ermöglicht haben, sicherlich allen zumindest einen besinnlichen Ausklang des
Sonntagabends.
Peter Esser
Paddy Kelly, hier auf
seiner derzeitigen Konzerttournee in Düsseldorf, begeisterte am Sonntagabend in
der St. Piuskirche in Ingolstadt. Foto by: Künstler