München.
Sozialthemen haben nach Ansicht des bayerischen Landes-
Caritasdirektors
Bernhard
Piendl
in Deutschland einen zu geringen
Stellenwert. „Häufig kommen nur negative Seiten wie die Finanzierung des
Sozialstaats zur Sprache“, kritisierte
Piendl
im
Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Bei Sozialthemen wie der Pflege werde
der Kostenfaktor zu sehr betont, nicht die Bedeutung für die Gesellschaft. Soziales
werde nur wahrgenommen, als etwas, was viel Geld koste und dem
Wirtschaftsstandort Deutschland schade.
Der
Stellenwert des Sozialen in der Gesellschaft müsse wieder gestärkt werden. Das
mache auch für die Wirtschaft Sinn: Eine gerechte soziale Situation ist die entscheidende
Basis für eine gute Wirtschaftslage“, sagte
Piendl
.
Beispielhaft für diese Situation sei die Lage in den Sozialberufen, hier fehle
oft die gesellschaftliche Anerkennung. „Aber was gibt es wertvolleres als sich
um Mitmenschen zu kümmern? Hier sehe ich eine Schieflage im Bewusstsein
der Gesellschaft“, betonte der Landes-
Caritasdirektor
.
Gerade in vielen ländlichen Regionen Bayerns fürchtet er schon bald soziale
Probleme: Weil immer mehr jüngere Menschen in die Ballungsräume zögen,
stelle sich die Frage, wer die dort zurückgebliebenen älteren Menschen versorgen
und pflegen solle. Hier sei eine optimale Gesamtlösung noch nicht gefunden. Die
reine pflegerische Versorgung könnten zwar ambulante Dienste übernehmen, doch
es gehe beispielsweise darum, wer Einkäufe oder Behördengänge erledige, wenn
die traditionellen Familienstrukturen aufgebrochen seien und Kinder und Enkel
weit weg wohnten. Viele Kommunalpolitiker wendeten sich wegen dieser Problematik
bereits an die Caritas. Er verwies darauf, dass es in vielen Pfarrgemeinden
ehrenamtliche Helferkreise gebe.