Rheine. cpr.
Die
Überraschung war groß bei den Schülern des Emsland-Gymnasiums: von den
Flurwänden, an denen sonst die im Kunstunterricht entstandenen Werke der
Mitschüler zu sehen waren, schauten ihnen am Freitagmorgen die Gesichter von
Mitbürgern aus Rheine entgegen, die 101 in der Emsstadt vertretenen Kulturen
repräsentieren. Die vor über einem Jahr zum ersten Mal gezeigte Sammlung von
Porträtaufnahmen des Fotographen Hermann Willers war auf Initiative und unter
Federführung des Caritasverbandes Rheine entstanden. Bei der
Eröffnungsveranstaltung am Emsland-Gymnasium machte Projektmitarbeiterin Elke
Zeitner deutlich, welche Botschaft dieses Projekt hat: „Es soll die Vielfalt
der Stadt Rheine zeigen. Wir sind Rheine! Die Vielfalt wird zugelassen. Du bist
ein Teil des Ganzen!“ Mit diesem Projekt wollten alle Beteiligten
dokumentieren, dass Menschen aus verschiedenen Kulturen friedlich zusammen
leben können und sich gegenseitig bereichern.
Fotograf Hermann Willers berichtete von den vielen kleinen Abenteuern, die er
in den Wohnungen der porträtierten Personen zu erleben hatte. Besonders gerne
erinnerte er sich daran, dass er immer wieder zum Essen eingeladen worden sei.
Unter den Porträtierten befinden sich auch Ange-hörige des Emsland-Gymnasiums.
Stellvertretend für sie berichtete Lehrerin Deryah Cokcan, warum sie gerne
bereit gewesen sei, sich für das Ausstellungsprojekt zur Verfügung zu stellen.
Sie sei vor 40 Jahren nach Rheine gekommen und habe hier sehr freundliche
Aufnahme gefunden, so dass sie Rheine mittlerweile als ihre Heimat betrachte.
Schulleiterin Katharina Straßburg-Mulder betonte, ein freundschaftliches
Zusammenleben von Menschen verschiedenster Herkunft werde am Emsland-Gymnasium
seit vielen Jahren als Selbst-verständlichkeit praktiziert. Ein gutes Beispiel
hierfür sei auch die Tatsache, dass in den vergangenen sechs Schuljahren
Schüler mit Migrationshintergrund zu Schülersprechern gewählt worden seien. Sie
dankte insbesondere den Mitgliedern der Schülervertretung, deren tatkräftiger
Mithilfe es zu verdanken sei, dass die Ausstellung in vorbildlicher Weise
aufgebaut werden konnte.
Die Ausstellung ist noch bis Ende März im Emsland-Gymnasium zu sehen. Am Tage
ihrer Eröffnung erhielt die Schule den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule
mit Courage“ verliehen. Die Porträtfotos bilden damit den Auftakt für viele
weitere Aktionen gegen jede Form von Diskriminierung, die für die nächsten
Monate bereits vorbereitet oder angedacht sind.